KI-Kompetenz nach EU AI Act: die Schulung für den Arbeitsalltag · Modul 1 · Verstehen · frei
Was KI ist und wie sie arbeitet
KI weiß nichts. Sie rechnet aus, was wahrscheinlich passt.
Bevor es um Regeln geht, klären wir, womit du arbeitest. Du lernst, was das Gesetz unter einem KI-System versteht, wie ein Sprachmodell Texte erzeugt und warum es dabei so überzeugend danebenliegen kann. Und du findest heraus, in welchen Werkzeugen an deinem Arbeitsplatz schon KI steckt.
Das nimmst du mit
- KI-System Ein System, das aus Eingaben ableitet, was es ausgibt.
- Nächstes Wort Sprachmodelle sagen wahrscheinliche Fortsetzungen voraus.
- Halluzination Flüssig formuliert heißt nicht richtig.
- KI steckt überall Office, Übersetzer, Mailprogramm, Telefonanlage.
Die Begriffe dieses Moduls
KI-System
Was das Gesetz unter KI versteht.
Der EU AI Act nennt ein KI-System ein maschinengestütztes System, das mit einem gewissen Grad an Autonomie arbeitet und aus seinen Eingaben ableitet, wie es Ausgaben erzeugt: Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen. Der Unterschied zur normalen Software: Niemand hat jede Antwort vorher als Regel aufgeschrieben. Das System hat aus Beispielen gelernt.
Beispiel: Die Tabelle, die Rechnungen über 500 Euro gelb färbt, ist keine KI. Das Programm, das aus der Rechnung selbst Lieferant, Betrag und Fälligkeit herausliest, ist KI.
In der Praxis: Frag bei jedem Werkzeug: Folgt es nur festen Regeln, oder erzeugt es selbst Texte, Bilder, Bewertungen oder Vorschläge?
Merksatz: Regel heißt: vorher festgelegt. KI heißt: aus Beispielen abgeleitet.
Sprachmodell
Das Herz von ChatGPT, Copilot und Co.
Ein Sprachmodell (englisch Large Language Model, kurz LLM) hat aus riesigen Textmengen gelernt, welches Wort mit welcher Wahrscheinlichkeit auf die bisherigen folgt. Es schreibt Wort für Wort weiter. Es schlägt nichts nach und hat kein Verständnis wie ein Mensch, es sei denn, das Werkzeug gibt ihm eine Suche oder Dokumente dazu.
Beispiel: Du fragst nach der Kündigungsfrist in deinem Vertrag. Ohne den Vertrag zu kennen, schreibt das Modell eine Frist, die oft in Verträgen steht. Sie klingt richtig. Sie kann falsch sein.
In der Praxis: Gib dem Modell die Quelle mit, zum Beispiel den Text der Vereinbarung, und lass es nur daraus antworten. Prüfen musst du trotzdem.
Merksatz: Ein Sprachmodell rät gut, aber es rät.
Halluzination
Überzeugend formuliert, sachlich falsch.
Eine Halluzination ist eine Ausgabe, die flüssig und sicher klingt, aber erfunden ist: ein Urteil, das es nicht gibt, eine Zahl ohne Quelle, ein Zitat, das nie gefallen ist. Das passiert nicht aus Bosheit. Das Modell setzt fort, was wahrscheinlich klingt, auch wenn es die Antwort nicht kennt.
Beispiel: Ein Anwalt in den USA reichte 2023 einen Schriftsatz mit Urteilen ein, die ein Chatbot erfunden hatte. Das Gericht verhängte eine Geldstrafe. Die Urteile klangen echt, mit Aktenzeichen.
In der Praxis: Je wichtiger die Aussage, desto sicherer brauchst du eine Quelle, die du selbst geöffnet hast.
Merksatz: Je sicherer der Ton, desto genauer prüfen.
Verzerrung (Bias)
KI übernimmt die Schieflagen ihrer Daten.
Ein Modell lernt aus Daten, die Menschen erzeugt haben. Waren diese Daten einseitig, ist es das Ergebnis auch. Man spricht von Verzerrung oder englisch Bias. Das fällt besonders auf, wenn KI über Menschen urteilt: Bewerbungen, Kredite, Leistung.
Beispiel: Ein großer Versandhändler hat 2018 ein Werkzeug zur Bewerbungsauswahl eingestellt, weil es Frauen schlechter bewertete. Es hatte aus zehn Jahren Bewerbungen gelernt, die überwiegend von Männern kamen.
In der Praxis: Lass KI nie allein über Menschen urteilen. Frag bei Texten über Personen: Würde ich das auch so schreiben, wenn es um jemand anderen ginge?
Merksatz: Schiefe Daten, schiefes Ergebnis.
KI am Arbeitsplatz
Wo KI schon drinsteckt, oft unbemerkt.
KI kommt nicht nur als Chatbot. Sie steckt in Office-Programmen (Schreibhilfe, Zusammenfassung), in Übersetzern, im Mailprogramm (Antwortvorschläge, Spamfilter), in Videokonferenzen (Mitschrift, Untertitel), in Bildbearbeitung und in Fachsoftware. Für den EU AI Act zählt nicht, wie das Werkzeug heißt, sondern dass du es beruflich nutzt.
Beispiel: In der Muster GmbH fasst die Videokonferenz Besprechungen automatisch zusammen, das Mailprogramm schlägt Antworten vor, und die Buchhaltung liest Belege mit KI aus. Drei KI-Systeme, nur eines davon heißt „KI“.
In der Praxis: Schreib auf, welche Werkzeuge du in einer normalen Woche nutzt, und markiere die, die selbst Inhalte, Vorschläge oder Bewertungen erzeugen.
Merksatz: Nicht der Name zählt, sondern was das Werkzeug tut.
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