KI-Manager:in · Präsentation · Teil 8
KI-Potenziale bewerten und KI-Strategie
Folien zum KI-Manager-Lernpfad: Reifegradanalyse, Use Cases mit Scoring bewerten, Aufwand-Nutzen-Matrix, KI-Strategie, Pilot und Change Management.
Ein Kurs von Erik Lorenscheit, Gründer von hilfmirmal · Zuletzt aktualisiert am
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Teil 8 · KI-Potenziale bewerten und KI-Strategie
Ideen für KI gibt es genug. Welche lohnt sich?
Chatbot für den Kundenservice, automatische Angebote, Rechnungen auslesen: Fast jedes Unternehmen hat eine Liste mit KI-Ideen. Es fehlt die Antwort auf eine Frage: Womit fangen wir an, und warum genau damit?
- Standort bestimmenReifegradanalyse
- Use Cases bewertenPotenzialanalyse
- Vorgehen planenKI-Strategie
hilfmirmal.de · KI-Manager:in
Erklärung zur Folie
In fast jedem Unternehmen gibt es eine Liste mit KI-Ideen. Chatbot für den Kundenservice, automatische Angebote, Rechnungen auslesen. Was fehlt, ist die Antwort auf eine einfache Frage: Womit fangen wir an, und warum genau damit?
In diesem Teil wechselst du die Rolle. Du bist die Person, die im Unternehmen entscheidet, wo KI eingesetzt wird. Dafür bekommst du drei Werkzeuge: die Reifegradanalyse, die Potenzialanalyse und die KI-Strategie.
Durch den ganzen Teil begleitet dich die Nordfracht GmbH. Das ist ein erfundenes Beispielunternehmen, eine Spedition mit 180 Beschäftigten. Am Ende wendest du alle drei Werkzeuge auf ein Unternehmen deiner Wahl an.
Zum Ausprobieren: Eine KI-Strategie kritisch lesen
- Such im Netz die „Leitlinien für Künstliche Intelligenz“ der Telekom (seit 2018) oder den KI-Kodex von Bosch (2020).
- Lass einen Chatbot den Text zusammenfassen: „Fasse diesen Text in fünf Punkten zusammen. Markiere jeden Punkt als Ziel, Regel oder konkrete Maßnahme.“
- Lies selbst mit und prüf jede Zusammenfassung am Originaltext.
- Such die drei üblichen Lücken: Gibt es ein messbares Ziel, eine verantwortliche Person, einen Zeitplan?
- Halte dein Ergebnis in drei Stichpunkten fest.
Erklärung zur Folie
Fang mit echtem Material an. Zwei große deutsche Unternehmen haben öffentlich aufgeschrieben, wie sie mit KI umgehen wollen: Die Telekom hat 2018 Leitlinien für Künstliche Intelligenz veröffentlicht, Bosch 2020 einen KI-Kodex. Beide findest du über eine Suchmaschine auf den Seiten der Unternehmen.
Lies eine der beiden Seiten. Lass dir von einem Chatbot helfen, aber lies selbst mit. Die Frage ist: Steht da eine Strategie drin, oder stehen da Werte?
Achte auf drei Dinge. Gibt es ein messbares Ziel? Gibt es jemanden, der verantwortlich ist? Gibt es einen Zeitplan? Schreib dir deine drei Stichpunkte auf, bevor du zur nächsten Folie gehst.
Leitlinien sind keine Strategie
Leitlinien: der Rahmen
- Sagen, was erlaubt ist.
- Der Mensch behält die Kontrolle, Transparenz, Datenschutz.
- Werden oft veröffentlicht.
Strategie: die Richtung
- Sagt, was wir erreichen wollen.
- Messbare Ziele, Budget, Zuständigkeiten, Zeitplan.
- Bleibt meist intern.
Merk dir
Beides braucht ein Unternehmen. Leitlinien sind die Leitplanken, die Strategie ist die Route.
Erklärung zur Folie
Was hast du gefunden? Vermutlich gute Sätze. Der Mensch behält die Kontrolle. Wir sind transparent. Wir schützen Daten. Das ist richtig und wichtig. Beide Texte beschreiben Werte und Regeln. Messbare Ziele, Budgets und Zuständigkeiten stehen dort nicht.
Aber mit diesen Sätzen allein weiß niemand, welches Projekt als Nächstes startet. Leitlinien sind die Leitplanken. Die Strategie ist die Route.
Sei dabei fair: Unternehmen veröffentlichen ihre Leitlinien, ihre interne Strategie selten. Für dich heißt das: Wenn dir jemand im Unternehmen ein Wertepapier als KI-Strategie verkauft, frag nach Ziel, Verantwortung und Zeitplan.
Drei Fragen, drei Werkzeuge
| Frage | Werkzeug | Was es liefert |
|---|---|---|
| Wo stehen wir? | Reifegradanalyse | eine ehrliche Standortbestimmung |
| Was lohnt sich? | Potenzialanalyse | Use Cases, gefunden und bewertet |
| Wie gehen wir vor? | KI-Strategie | Ziele, Handlungsfelder, Verantwortung |
Merk dir
Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Erst Standort, dann Use Cases, dann Strategie.
Erklärung zur Folie
In diesem Teil gibt es drei Fragen, und sie kommen in dieser Reihenfolge. Erst: Wo stehen wir? Das beantwortet die Reifegradanalyse. Dann: Welche Einsätze lohnen sich? Das beantwortet die Potenzialanalyse. Und dann: Wie gehen wir vor? Das ist die KI-Strategie.
Die Reihenfolge ist kein Zufall. Wer ohne Standortbestimmung Use Cases auswählt, plant Projekte, für die im Haus die Daten oder die Leute fehlen.
Reifegradanalyse: Wo steht das Unternehmen?
Eine ehrliche Standortbestimmung: Was kann das Unternehmen mit KI heute schon, und wo fehlt es?
Eine geschönte Analyse führt zum falschen Pilot. Lieber unbequem und richtig.
Erklärung zur Folie
Eine Reifegradanalyse ist eine Standortbestimmung. Du schaust, was ein Unternehmen im Umgang mit KI heute schon kann. Technisch, organisatorisch und in den Köpfen. Das Ergebnis ist kein Zeugnis. Es ist eine Liste: Hier sind wir stark, hier fehlt etwas, das packen wir zuerst an.
Das Wort „ehrlich“ steht da mit Absicht. In der Geschäftsführung schätzt man sich gern höher ein als in der Buchhaltung. Deshalb fragst du bei einer Reifegradanalyse immer mehrere Ebenen.
Probier es gleich einmal: Wie würdest du dein eigenes Unternehmen oder deinen letzten Arbeitgeber einschätzen? Eher am Anfang, in der Mitte oder schon weit?
Sechs Dimensionen des KI-Reifegrads
| Dimension | Prüffrage |
|---|---|
| Strategie | Gibt es Ziele für KI? |
| Daten | Sind sie vorhanden, sauber, zugänglich? |
| Technologie | Welche Tools und Infrastruktur gibt es? |
| Organisation und Kultur | Darf man ausprobieren? Wer kümmert sich? |
| Kompetenzen | Wer kann KI sicher nutzen und prüfen? |
| Governance | Wer regelt Tools, Daten, AI Act und Datenschutz? |
Erklärung zur Folie
Du schaust auf sechs Bereiche. Strategie: Hat die Geschäftsführung gesagt, was KI erreichen soll, oder probiert jeder für sich? Daten: Liegen die Daten vor, die man bräuchte, sind sie vollständig, und kommt man ran? Denk an Lerntag 4: Garbage in, garbage out. Technologie: Hat das Unternehmen Copilot, ChatGPT Enterprise, eine eigene Plattform? Oder nutzen Leute private Accounts?
Organisation und Kultur: Darf man Fehler machen? Gibt es jemanden, der sich kümmert? Kompetenzen: Wer im Haus kann gute Prompts schreiben, Ergebnisse prüfen, einen Piloten führen? Governance: Gibt es Regeln, wer welches Tool mit welchen Daten nutzen darf, und wer prüft AI Act und Datenschutz? Das kennst du aus Lerntag 5 und Lerntag 6.
Ein Unternehmen kann bei Technologie weit sein und bei Governance ganz am Anfang. Genau das soll die Analyse zeigen. Zeichnest du die sechs Werte als Netzdiagramm, siehst du das Profil auf einen Blick.
Fünf Stufen, ein einfaches Lehrmodell
| Stufe | Name | Kennzeichen |
|---|---|---|
| 1 | Beobachten | KI ist Thema, keiner nutzt sie offiziell |
| 2 | Ausprobieren | Einzelne testen, oft privat |
| 3 | Pilotieren | erste Projekte mit Ziel und Budget |
| 4 | Einführen | KI im Regelprozess, Regeln stehen |
| 5 | Verankern | KI ist Teil der Strategie, der Nutzen wird gemessen |
Merk dir
Ein Lehrmodell, kein Standard. Die Stufen überspringt man nicht.
Erklärung zur Folie
Jede Dimension bekommt eine Stufe. Hier nutzt du ein einfaches Modell mit fünf Stufen. Es gibt viele Reifegradmodelle von Beratungen, Verbänden und Hochschulen, manche haben vier Stufen, manche sechs. Ein offizielles gibt es nicht. Wichtig ist, dass du in einem Unternehmen immer dasselbe Modell nutzt, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
Stufe 2 verdient einen zweiten Blick. Einzelne probieren aus, oft mit privaten Accounts. Das ist die Stufe mit dem größten Datenschutzrisiko.
Wo steht ein Unternehmen, in dem alle ChatGPT privat benutzen und die IT davon nichts weiß? Genau, auf Stufe 2. Und zwar in fast allen Dimensionen.
Beispiel: Reifegradprofil der Nordfracht GmbH
| Dimension | Stufe | Befund |
|---|---|---|
| Strategie | 1 | keine Ziele |
| Daten | 3 | Sendungsdaten sauber im Transportmanagementsystem (TMS) |
| Technologie | 3 | Copilot 365 lizenziert |
| Organisation und Kultur | 2 | zwei Fans, der Rest skeptisch |
| Kompetenzen | 2 | keine Schulung |
| Governance | 1 | keine Regeln |
Nordfracht GmbH ist ein erfundenes Beispielunternehmen, Daten und Stufen sind frei gewählt.
Erklärung zur Folie
Das ist die Nordfracht GmbH, eine Spedition mit 180 Beschäftigten. Erfunden, aber typisch. Die Daten sind gar nicht schlecht: Sendungen, Touren und Kunden liegen im Transportmanagementsystem. Copilot ist lizenziert, weil es im Microsoft-Paket mit drin war. Aber es gibt kein Ziel, keine Schulung und keine Regeln.
Rate zuerst selbst: Wo würdest du anfangen? Die Antwort: nicht bei der Technik. Die Technik ist schon weiter als die Organisation. Hier fehlen Regeln und Kompetenzen. Und die Schulung ist nicht nur sinnvoll: Seit Februar 2025 verlangt Art. 4 AI Act, dass Unternehmen Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten ergreifen. Das kennst du aus Lerntag 5. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Das ist der Wert einer Reifegradanalyse. Sie verhindert, dass du einen Chatbot baust, wenn eigentlich erst Regeln fehlen.
Potenzialanalyse: Use Cases finden
- Zeit: Wo kostet Arbeit viel Zeit?
- Fehler: Wo passieren oft Fehler?
- Daten: Wo liegen Daten ungenutzt herum?
- Kunden: Wo warten Kunden zu lange?
Merk dir
Frag die Leute, die die Arbeit machen, nicht nur die Chefetage.
Erklärung zur Folie
Ein Use Case ist ein konkreter Einsatzfall. Nicht „KI im Vertrieb“, sondern „KI schreibt den ersten Entwurf für Angebote aus der Kundenanfrage“. Solche Fälle findest du mit vier Fragen: Wo kostet Arbeit viel Zeit? Wo passieren oft Fehler? Wo liegen Daten, die keiner auswertet? Und wo warten Kunden zu lange?
Das Wichtigste steht im Merksatz. Die Geschäftsführung kennt die großen Ziele. Die Sachbearbeiterin weiß, welche Tabelle sie jeden Montag zwei Stunden lang von Hand abtippt. Die guten Use Cases kommen aus dem Alltag.
Wenn du in Lerntag 2 schon Aufgaben gesammelt hast, die KI übernehmen kann, hast du hier einen Vorsprung. Und frag dich selbst: Was ist bei dir die nervigste Aufgabe, die regelmäßig wiederkommt?
Vier Kriterien für jeden Use Case
| Kriterium | Gewicht | Prüffrage |
|---|---|---|
| Nutzen | 40 % | Wie viel Zeit, Geld, Qualität bringt es? |
| Machbarkeit | 25 % | Geht das mit unseren Tools und Leuten? |
| Datenlage | 20 % | Haben wir die Daten, dürfen wir sie nutzen? |
| Risiko | 15 % | Was passiert, wenn die KI falsch liegt? |
Die Gewichte sind ein Beispiel. Im Unternehmen legst du sie gemeinsam fest, bevor du bewertest.
Erklärung zur Folie
Jeder Use Case muss durch vier Fragen. Nutzen: Was bringt es? Gesparte Stunden, weniger Fehler, schnellere Antworten, möglichst in Zahlen. Machbarkeit: Geht das mit dem, was wir haben? Reicht Copilot, oder brauchen wir eine eigene Entwicklung?
Risiko: Was passiert, wenn die KI danebenliegt? Ein schlechter Entwurf für eine Mail ist ärgerlich. Eine falsche Entscheidung über eine Bewerberin ist ein Rechtsproblem. KI zur Personalauswahl ist nach dem AI Act ein Hochrisiko-System, sie steht in Anhang III. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Datenlage: Haben wir die Daten? Sind sie gut genug? Und dürfen wir sie überhaupt in dieses Tool geben? Das ist die Frage aus Lerntag 6.
Scoring: Punkte statt Bauchgefühl
| Use Case | Nutzen | Machbarkeit | Daten | Risiko | Score |
|---|---|---|---|---|---|
| Angebotsentwurf | 4 | 5 | 4 | 4 | 4,25 |
| Tourenplanung | 5 | 2 | 2 | 3 | 3,35 |
| Bewerber-Vorauswahl | 3 | 3 | 3 | 1 | 2,70 |
Noten von 1 (schlecht) bis 5 (gut), beim Risiko heißt 5: geringes Risiko. Rechenweg für den Angebotsentwurf: 4 × 0,40 + 5 × 0,25 + 4 × 0,20 + 4 × 0,15 = 4,25. Zahlen erfunden, Rechenweg echt.
Erklärung zur Folie
Jetzt wird es konkret. Du gibst jedem Use Case pro Kriterium eine Note von 1 bis 5. Achtung beim Risiko: Da heißt 5, das Risiko ist gering. Sonst gewinnt am Ende das gefährlichste Projekt. Dann gewichtest du, hier mit 40, 25, 20 und 15 Prozent. Ein Krankenhaus würde das Risiko deutlich höher gewichten.
Rechne den Angebotsentwurf einmal mit: 4 mal 0,4 sind 1,6. 5 mal 0,25 sind 1,25. 4 mal 0,2 sind 0,8. 4 mal 0,15 sind 0,6. Zusammen 4,25. Die Tourenplanung hat den größten Nutzen, aber die Machbarkeit ist schwach. Die Bewerber-Vorauswahl landet hinten, weil das Risiko hoch ist.
Das Scoring entscheidet nicht für dich. Aber es zwingt alle, ihre Gründe auf den Tisch zu legen.
Die Aufwand-Nutzen-Matrix
| Feld | Bedeutung | Nordfracht GmbH |
|---|---|---|
| Hoher Nutzen, wenig Aufwand | Quick Win, zuerst | Angebotsentwurf |
| Hoher Nutzen, viel Aufwand | großes Projekt, planen | Tourenplanung |
| Wenig Nutzen, wenig Aufwand | nebenbei | |
| Wenig Nutzen, viel Aufwand | streichen | Bewerber-Vorauswahl |
Achtung
Die Bewerber-Vorauswahl ist zusätzlich Hochrisiko nach Anhang III AI Act.
Erklärung zur Folie
Das Scoring gibt dir eine Zahl. Die Matrix gibt dir ein Bild, und das versteht die Geschäftsführung in zehn Sekunden. Rate zuerst selbst, wohin die drei Use Cases der Nordfracht gehören, bevor du in die rechte Spalte schaust.
Hoher Nutzen bei wenig Aufwand sind Quick Wins. Damit fängst du an, weil du schnell zeigen kannst, dass es funktioniert. Hoher Nutzen bei viel Aufwand sind die großen Projekte. Die planst du, aber nicht als Erstes. Wenig Nutzen bei viel Aufwand: streichen, auch wenn es spannend klingt.
Die Tourenplanung gehört zu den großen Projekten. Großer Hebel, aber ohne bessere Daten und externe Hilfe nicht machbar.
Zum Ausprobieren: KI bewertet, du prüfst
- Öffne Copilot mit deinem Firmenkonto im geschützten Unternehmensmodus oder einen anderen Chatbot, den du nutzen darfst.
- Gib Rolle, Gewichte und fünf Use Cases vor (Prompt unten).
- Rechne eine Zeile der Tabelle selbst nach.
- Lies die Begründungen kritisch: Wo erfindet die KI Zahlen?
Du bist KI-Berater:in für eine Spedition mit 180 Beschäftigten. Bewerte diese fünf Use Cases mit Noten von 1 bis 5 nach Nutzen (40 %), Machbarkeit (25 %), Datenlage (20 %) und Risiko (15 %, 5 = geringes Risiko). Gib eine Tabelle mit gewichtetem Score und je einem Satz Begründung. Use Cases: 1. Angebotsentwürfe aus Kundenanfragen, 2. Tourenplanung, 3. Vorauswahl von Bewerbungen, 4. Zusammenfassung von Schadensmeldungen, 5. Chatbot für Sendungsstatus.
Erklärung zur Folie
Jetzt lässt du die KI die Arbeit machen. Du gibst Rolle, Gewichte und fünf Use Cases vor, und die Tabelle steht in wenigen Sekunden da.
Dann kommt dein Job. Rechne eine Zeile nach: Stimmt der Score? Häufige Befunde sind Rechenfehler beim Score oder ein Risiko, das falsch herum bewertet wurde. Nennt die KI die Vorauswahl von Bewerbungen nicht als Hochrisiko, frag nach: „Wie stuft der EU AI Act Nummer 3 ein?“ Und lies die Begründungen: Klingt das nach diesem Unternehmen, oder ist das allgemeines Gerede?
KI ist gut darin, eine erste Bewertung zu liefern und Kriterien vorzuschlagen, an die du nicht gedacht hast. Die Noten selbst müssen Leute vergeben, die das Unternehmen kennen. Copilot kennt die Nordfracht nicht.
Eine KI-Strategie beantwortet sieben Fragen
| Nr. | Frage |
|---|---|
| 1 | Welche Unternehmensziele soll KI unterstützen? |
| 2 | Wo bringt KI einen echten Vorteil gegenüber der Konkurrenz? |
| 3 | Welche Strukturen brauchen wir? |
| 4 | Wie sichern wir Ethik und Compliance? |
| 5 | Welche Kompetenzen bauen wir auf? |
| 6 | Nach welchen Kriterien wählen wir Pilotideen aus? |
| 7 | Woran erkennen wir, ob ein Pilot geklappt hat? |
Merk dir
Wer diese Fragen nicht beantworten kann, hat keine Strategie, sondern eine Absichtserklärung.
Erklärung zur Folie
Du weißt jetzt, wo ein Unternehmen steht und welche Use Cases sich lohnen. Jetzt kommt der Rahmen darum: die KI-Strategie. Eine gute KI-Strategie beantwortet sieben Fragen.
Die letzten zwei hast du in diesem Teil schon beantwortet. Das Scoring sind deine Bewertungskriterien. Die Erfolgsmessung kommt gleich beim Pilot.
Die erste Frage ist die wichtigste. KI ist kein Ziel. „Wir wollen KI nutzen“ ist keine Strategie. „Wir wollen Angebote in einem Tag statt in drei Tagen verschicken“ ist ein Ziel, bei dem KI helfen kann.
Fünf Handlungsfelder einer KI-Strategie
| Handlungsfeld | Beispiel Nordfracht GmbH |
|---|---|
| Vision und Zielbild | Angebote in 24 Stunden |
| Governance und Verantwortung | KI-Richtlinie, eine verantwortliche Person |
| Technologie- und Datenstrategie | Copilot nutzen, TMS-Daten aufbereiten |
| Organisationsentwicklung | eine Ansprechperson für KI pro Abteilung |
| Kompetenzaufbau | Schulung für alle nach Art. 4 AI Act |
Erklärung zur Folie
Eine Strategie wird in fünf Handlungsfeldern konkret. Vision und Zielbild: Wo wollen wir in zwei Jahren stehen? Bei der Nordfracht: Jedes Angebot geht innerhalb von 24 Stunden raus. Governance und Verantwortung: Wer entscheidet, welche Regeln gelten? Die Nordfracht braucht eine KI-Richtlinie und eine Person, die zuständig ist.
Technologie- und Datenstrategie: Welche Tools nutzen wir, welche Daten bereiten wir auf? Copilot ist schon da. Die Daten aus dem Transportsystem müssen für die Tourenplanung später besser werden. Organisationsentwicklung: Wie ändern sich Abläufe und Rollen? Zum Beispiel mit einer Ansprechperson für KI in jeder Abteilung. Kompetenzaufbau: Wer lernt was? Hier ist die Schulung für alle Pflicht.
Fällt dir etwas auf? Die Handlungsfelder passen fast genau zu den Dimensionen der Reifegradanalyse. Wo die Analyse schwach war, setzt die Strategie an.
Woran KI-Strategien scheitern und was hilft
- Ziele und KPIs vorher festlegen.
- Die Geschäftsführung steht sichtbar dahinter.
- Budget und Zeit sind eingeplant.
- Beschäftigte früh einbinden und schulen.
- Klein starten, messen, dann skalieren.
Achtung
Typischer Fehlstart: Ein Tool wird gekauft, niemand ist zuständig, nichts wird gemessen. Nach sechs Monaten redet keiner mehr darüber.
Erklärung zur Folie
Was entscheidet, ob eine KI-Strategie funktioniert? Frag umgekehrt: Woran scheitert sie? Es fehlt ein messbares Ziel, dann kann am Ende niemand sagen, ob es geklappt hat. Die Geschäftsführung unterschreibt, taucht aber nie auf, dann nimmt es keiner ernst. Es gibt kein Budget und keine Zeit, dann macht es jemand abends nebenbei. Die Beschäftigten hören erst davon, wenn das Tool schon da ist, dann blocken sie.
Weitere Erfolgsfaktoren sind die Anbindung an die Gesamtstrategie, klare Daten- und Governance-Strukturen und eine passende IT. Aber die fünf Punkte auf der Folie fehlen in der Praxis am häufigsten.
Du wirst übrigens viele Zahlen lesen, wie viel Prozent aller KI-Projekte scheitern. Die meisten davon sind schlecht belegt. Nenn so eine Zahl nur mit Quelle.
Ein Pilot braucht Baseline, KPI und Abbruchkriterium
| Baustein | Beispiel Angebotsentwurf |
|---|---|
| Baseline | heute im Schnitt 3 Tage bis zum Angebot |
| KPI | Zeit bis zum Angebot, Korrekturquote |
| Ziel | unter 1 Tag nach 8 Wochen |
| Abbruchkriterium | nach 8 Wochen weniger als 20 % schneller |
| Verantwortlich | Leitung Vertriebsinnendienst |
Zahlen des Beispielunternehmens erfunden. Baseline und Abbruchkriterium stehen vor dem Start fest.
Erklärung zur Folie
Das ist der wichtigste Punkt in diesem Teil. Ein Pilot ist ein kleiner, begrenzter Test, und er braucht drei Dinge, bevor er startet. Erstens die Baseline, den Ausgangswert. Wie lange dauert ein Angebot heute? Bei der Nordfracht drei Tage. Ohne diese Zahl kannst du später nichts beweisen. Du misst sie vorher, nicht nachher aus der Erinnerung, zum Beispiel einige Zeit lang mit den Zeitpunkten von Anfrage und Versand aus dem Postfach oder dem CRM.
Zweitens die KPI, die Kennzahl. Was genau misst du? Die Zeit bis zum Angebot. Und wie oft der Entwurf stark korrigiert werden muss, sonst wird es schnell, aber falsch.
Drittens das Abbruchkriterium: Wann hören wir auf? Hier: Ist es nach 8 Wochen nicht mindestens 20 Prozent schneller, stoppt der Pilot. Das Abbruchkriterium fehlt fast immer. Ohne läuft ein Pilot endlos weiter, weil niemand zugeben will, dass er nichts bringt.
Klein starten, dann skalieren
- Pilotein Use Case, ein Team
- Auswertenweiter, ändern, stoppen
- Ausrollenin einer Abteilung
- Unternehmensweiterst nach Auswertung
- Laufzeit des Pilots: acht bis zwölf Wochen als Richtwert, mit klarer Messung.
- Erfahrungen dokumentieren, für den nächsten Pilot.
Erklärung zur Folie
„Klein starten, dann skalieren“ klingt banal. In der Praxis passiert oft das Gegenteil: Man kauft Lizenzen für alle und hofft, dass sich der Nutzen von allein einstellt.
Besser ist ein Use Case mit einem Team. Acht bis zwölf Wochen sind ein Richtwert, keine Regel. Lang genug, um sich einzuarbeiten, kurz genug, dass niemand das Ziel vergisst. Am Ende gibt es drei mögliche Entscheidungen: weiter und ausrollen, ändern und noch mal testen, oder stoppen. Alle drei sind ein gutes Ergebnis, wenn sie auf Zahlen beruhen.
Und schreib auf, was du gelernt hast. Der zweite Pilot geht doppelt so schnell, wenn der erste dokumentiert ist.
Make or Buy: selbst bauen oder kaufen?
| Merkmal | Buy: fertiges Tool | Make: eigene Lösung |
|---|---|---|
| Start | schnell | langsam |
| Kosten | Lizenz pro Person | Entwicklung und Betrieb |
| Anpassung | begrenzt | voll |
| Know-how im Haus | wenig nötig | viel nötig |
| Typisch für | Texte, Mails, Meetings | Kerngeschäft, eigene Daten |
Merk dir
Kaufen, was alle brauchen. Bauen, was dich von der Konkurrenz unterscheidet.
Erklärung zur Folie
Irgendwann kommt die Frage: Kaufen wir ein Tool oder bauen wir selbst? Kaufen geht schnell. Copilot, ChatGPT Enterprise, ein fertiges Tool für Rechnungen. Du zahlst Lizenzen, hast wenig Aufwand, kannst aber nur begrenzt anpassen.
Selbst bauen dauert, kostet Entwicklung und Betrieb und braucht Leute, die das können. Dafür passt es genau. Das lohnt sich dort, wo es um das Kerngeschäft geht und um Daten, die nur das Unternehmen hat. Bei der Nordfracht wäre das die Tourenplanung.
Dazwischen gibt es einen Mittelweg: ein fertiges Tool, das du konfigurierst. Ein Agent in Copilot oder ein eigener GPT mit eigenen Anweisungen und Dokumenten, wie in Lerntag 2. Für viele Mittelständler ist das der richtige Anfang.
Change Management: Menschen nehmen KI an oder nicht
- Erklären, warum: Welches Problem wird gelöst?
- Ängste offen ansprechen: Wer verliert was?
- Den Betriebsrat früh einbinden, nicht erst zur Einführung.
- Das Pilot-Team als Botschafter nutzen: Kollegen glauben Kollegen.
- Schulen, Fragen zulassen, Erfolge zeigen.
Merk dir
Ob KI im Unternehmen ankommt, entscheiden die Menschen, nicht die Technik.
Erklärung zur Folie
Die beste Strategie scheitert, wenn die Leute nicht mitmachen. Change Management heißt: Du planst nicht nur das Tool, sondern auch die Veränderung für die Menschen. Erklär zuerst, welches Problem gelöst wird. „Wir führen KI ein“ macht Angst. „Du musst Angebote nicht mehr von null schreiben“ ist konkret. Sprich die Ängste offen an. Die häufigste Frage ist: Werde ich ersetzt? Darauf braucht es eine ehrliche Antwort, keine Beschwichtigung.
Gibt es einen Betriebsrat, hol ihn früh dazu. Bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen können, hat er ein Mitbestimmungsrecht (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Bei KI-Tools ist das häufig der Fall. Wer ihn übergeht, riskiert, dass das Projekt gestoppt wird. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Und nutz das Pilot-Team. Wenn eine Kollegin erzählt, dass sie jetzt eine Stunde am Tag spart, überzeugt das mehr als jede Präsentation der Geschäftsführung.
Typische Fallen bei der KI-Strategie
- Ein Tool kaufen, bevor der Standort bekannt ist.
- Die Reifegradanalyse schönen und deshalb den falschen Pilot starten.
- Use Cases nur in der Chefetage sammeln statt bei den Beschäftigten.
- Einen Pilot ohne Baseline starten und danach über den Erfolg streiten.
- Kein Abbruchkriterium festlegen und ewig weitermachen.
Erklärung zur Folie
Diese fünf Fallen fassen den ganzen Teil zusammen, nur von der anderen Seite. Jede davon hast du auf einer der Folien vorher schon gesehen.
Nimm sie als Prüfliste, wenn dir im Unternehmen ein KI-Vorhaben vorgestellt wird. Frag nach dem Standort, nach den Leuten, die die Arbeit machen, nach der Baseline und nach dem Abbruchkriterium. Fehlt eine Antwort, weißt du, wo du ansetzt.
Dein Auftrag: Eine KI-Strategie für dein Unternehmen
- Wähle ein Unternehmen: dein eigenes, anonymisiert, oder ein erfundenes. Beschreib es in zwei Sätzen.
- Bewerte die sechs Dimensionen mit Stufe 1 bis 5 und markiere die zwei schwächsten.
- Sammle fünf Use Cases, leg deine Gewichte fest und berechne den Score.
- Lass einen Chatbot dieselbe Liste bewerten, rechne eine Zeile nach und vergleiche.
- Ordne alles in die Matrix ein und prüf jeden Use Case auf Hochrisiko.
- Schreib für den besten einen Pilotsteckbrief mit Baseline, KPI, Ziel und Abbruchkriterium.
Erklärung zur Folie
Nutze nur erfundene oder anonymisierte Daten: kein echter Firmenname, keine internen Zahlen, keine Namen von Kolleginnen und Kollegen. Für den Reifegradcheck nimmst du die Tabelle mit den sechs Dimensionen und begründest jede Stufe in einem Satz. Das Profil kannst du als Netzdiagramm zeichnen, zum Beispiel in Excel.
Beim Vergleich mit dem Chatbot lautet die spannende Frage: Wo weicht er ab, und wer hat recht? Die Einordnung nach dem AI Act ist dabei eine Übung, keine Rechtsberatung. In den Pilotsteckbrief gehören außerdem das Team, deine Entscheidung zu Make or Buy, die verantwortliche Rolle (kein Name) und die größte Sorge im Team mit deiner Antwort darauf.
Zum Schluss schreib die neuen Begriffe in dein Glossar: Reifegradanalyse, Potenzialanalyse, Use Case, Scoring, Quick Win, Baseline, KPI, Abbruchkriterium, Pilot, Make or Buy, Change Management, Governance. Vergleich deine Erklärungen mit dem Glossar.
Prüf dich selbst
In welcher Reihenfolge kommen Reifegradanalyse, Potenzialanalyse und KI-Strategie, und warum?
Antwort
Erst Standort, dann Use Cases, dann Strategie. Sonst fehlen später Daten oder Leute.
Was unterscheidet Leitlinien von einer Strategie?
Antwort
Leitlinien sagen, was erlaubt ist. Die Strategie sagt, was erreicht werden soll.
Was bedeutet beim Scoring eine 5 im Kriterium Risiko?
Antwort
Geringes Risiko. Sonst gewinnt am Ende das gefährlichste Projekt.
Wo landet ein Use Case mit hohem Nutzen und wenig Aufwand?
Antwort
Bei den Quick Wins. Damit fängst du an.
Welche drei Dinge braucht ein Pilot, bevor er startet?
Antwort
Baseline, KPI und Abbruchkriterium.
Was ist die Faustregel für Make or Buy?
Antwort
Kaufen, was alle brauchen. Bauen, was dich von der Konkurrenz unterscheidet.
Erklärung zur Folie
Beantworte die Fragen zuerst ohne nachzuschauen, dann klapp die Antworten auf. Wenn du bei einer Frage unsicher warst, geh zur passenden Folie zurück.
Die Gedanken, die du aus diesem Teil mitnimmst: Erst den Standort bestimmen, dann Use Cases bewerten, dann die Strategie. Punkte statt Bauchgefühl. Kein Pilot ohne Ausgangswert und Abbruchkriterium. Und am Ende entscheiden die Menschen, ob KI im Unternehmen ankommt.
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