KI-Manager:in · Präsentation · Teil 5
Ethik, Bias und der EU AI Act
Folien zum KI-Manager-Lernpfad: Ethik und Recht, Bias mit Amazon und COMPAS, der EU AI Act mit Stufen und Fristen, dazu Urheberrecht bei KI.
Ein Kurs von Erik Lorenscheit, Gründer von hilfmirmal · Zuletzt aktualisiert am
Weiter mit den Pfeiltasten oder durch Wischen
1 / 27
Teil 5 · Ethik, Bias und der EU AI Act
Gleiche Daten, schiefes Ergebnis
Die Daten sind vollständig, korrekt und gut gepflegt. Und das Ergebnis benachteiligt trotzdem bestimmte Menschen. Wie kann das sein, und was sagt das Recht dazu?
- Ethik und Bias
- EU AI Act
- Urheberrecht
hilfmirmal.de · KI-Manager:in
Erklärung zur Folie
In Teil 4 ging es um Datenqualität: Schlechte Daten, schlechtes Ergebnis. Hier kommt die unangenehmere Version. Die Daten stimmen, und das Ergebnis ist trotzdem unfair. Denn Daten zeigen die Vergangenheit, und die Vergangenheit war nicht fair.
Über allem hängt eine Waage: auf der einen Seite Effizienz, auf der anderen Fairness. Dazu kommen Bias, der EU AI Act und das Urheberrecht. Als KI-Managerin oder KI-Manager bist du die Person, die merken muss, wenn die Waage kippt. Bevor es eine Kundin, ein Bewerber oder eine Behörde merkt.
Der Rechtsstand in diesem Teil ist Oktober 2026, mit den Änderungen vom Juli 2026. Alles Rechtliche hier ist Einordnung, keine Rechtsberatung.
Zum Ausprobieren: Zeig mir eine Führungskraft
- Öffne Copilot, ChatGPT oder Gemini in einem neuen Fenster.
- Prompt: „Erstelle ein Bild einer Führungskraft.“ Kein Geschlecht, kein Alter, keine Branche.
- Erzeug das Bild dreimal, jedes Mal neu.
- Zähl: Mann, Frau oder offen? Jung, mittel, älter? Anzug oder Arbeitskleidung? Glasbüro, Werkstatt oder draußen?
- Gegenprobe: „Erstelle ein Bild einer Pflegekraft.“ Wer ist jetzt zu sehen?
Merk dir
Das Modell lernt den Durchschnitt. Der Durchschnitt ist kein neutraler Standard.
Erklärung zur Folie
Nimm dir zehn Minuten und mach das wirklich, bevor du weiterliest. Schreib eine kleine Strichliste. Ein Bildgenerator hat Millionen Bilder mit Beschreibungen gesehen. Wenn dort unter „Chef“, „CEO“ oder „Leitung“ vor allem eine bestimmte Sorte Mensch zu sehen war, lernt das Modell genau diese Sorte Mensch und wiederholt sie.
Das Modell lügt nicht. Es wiederholt, was es gesehen hat. Genau das ist das Problem. Die Gegenprobe mit der Pflegekraft oder der Reinigungskraft zeigt dir das Muster von der anderen Seite.
Und falls deine Bilder bunt gemischt waren: Das ist kein Zufall. Anbieter steuern inzwischen gegen. Auch das ist eine Wertentscheidung. Nur hat sie jemand anderes für dich getroffen.
Ethik und Recht: zwei verschiedene Fragen
Recht: Darf ich das?
- Quelle: Gesetz, Urteil.
- Folge bei Verstoß: Bußgeld, Klage.
Ethik: Soll ich das?
- Quelle: Werte und Normen einer Gesellschaft.
- Folge bei Verstoß: Vertrauen und Ruf sind weg.
Beispiel für „erlaubt, aber fragwürdig“: Ein Chatbot hält Kündigungswillige absichtlich lange im Gespräch, damit sie aufgeben. Nicht automatisch verboten. Der Ruf leidet trotzdem.
Erklärung zur Folie
Recht fragt: Darf ich das? Ethik fragt: Soll ich das? Recht steht im Gesetz. Ethik ist das, was eine Gesellschaft für richtig hält. Das ist nicht überall gleich und ändert sich mit der Zeit.
Stell dir zwei Kreise vor, die sich überlappen. In der Mitte liegt, was erlaubt und richtig ist. Auf der einen Seite liegt, was richtig wäre, aber noch nirgends geregelt ist. Auf der anderen liegt das Unangenehme: erlaubt, aber fragwürdig. Der Chatbot, der Kündigungswillige zermürbt, gehört genau dorthin.
Oft kommt das Recht hinterher. Was heute nur unethisch ist, ist in ein paar Jahren verboten. Der AI Act ist genau so entstanden. Überleg dir ein Beispiel aus deinem Alltag: legal, aber falsch.
Die Ethik-Ampel: grün, gelb oder rot?
| Fall | Ampel | Warum |
|---|---|---|
| Eine Drohne mit KI zählt Brutvögel im Schutzgebiet, Fachleute prüfen die Zählung. | grün | Niemand wird bewertet, ein Mensch prüft. |
| Eine Agrar-App gibt Düngetipps und reicht die Felddaten ohne klaren Hinweis weiter. | gelb | Nützlich, aber heimlich. Transparenz fehlt. |
| Eine Gemeinde lässt KI Bürgeranfragen nach Dringlichkeit sortieren. Die letzten 20 Prozent liest niemand mehr. | rot | Wer unten landet, fällt durch. |
| Ein Onlineshop zeigt Menschen mit teurem Handy automatisch höhere Preise. | gelb | Erlaubt, wenn der Shop es anzeigt. Fair ist es deshalb noch nicht. |
Erklärung zur Folie
Deck die Spalten „Ampel“ und „Warum“ ab und entscheide selbst: grün heißt unbedenklich, gelb heißt kommt drauf an, rot heißt so nicht. Hier gibt es kein richtig oder falsch, nur Begründungen. Wenn du anders entschieden hast, formulier in einem Satz, warum.
Zum Onlineshop: Seit Mai 2022 müssen Onlineshops in der EU angeben, wenn ein Preis auf Basis automatisierter Entscheidungen personalisiert wurde (Richtlinie (EU) 2019/2161). Erlaubt ist es also. Fair ist es deshalb noch nicht.
Merk dir vor allem eins: Die spannenden Fälle sind gelb. Genau dort braucht es jemanden, der entscheidet und das begründet. Das bist im Unternehmen oft du.
Die Grundlage in der EU: die Grundrechtecharta
| Artikel | Was er schützt |
|---|---|
| Art. 1 | Würde des Menschen |
| Art. 7 und 8 | Privatleben, Schutz persönlicher Daten |
| Art. 11 | Meinungs- und Informationsfreiheit |
| Art. 21 | Verbot der Diskriminierung: Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung, Alter … |
| Art. 23 | Gleichheit von Frauen und Männern |
Der AI Act nennt den Schutz dieser Grundrechte ausdrücklich als Ziel.
Erklärung zur Folie
Woran misst die EU, ob KI in Ordnung ist? An der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Für KI sind vor allem diese fünf Artikel wichtig: die Würde des Menschen, das Privatleben und der Schutz persönlicher Daten, die Meinungs- und Informationsfreiheit und die Gleichheit von Frauen und Männern.
Und dann Artikel 21, das Verbot von Diskriminierung, zum Beispiel wegen Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung oder Alter. Merk dir Artikel 21. Er begegnet dir in diesem Teil noch öfter.
Wenn du später fragst, warum ein KI-System verboten oder streng reguliert ist, lautet die Antwort fast immer: weil es eines dieser Rechte gefährdet.
Sieben Anforderungen an vertrauenswürdige KI
| Nr. | Anforderung |
|---|---|
| 1 | Ein Mensch behält die Aufsicht. |
| 2 | Robust und sicher |
| 3 | Datenschutz und Datenqualität |
| 4 | Transparenz: nachvollziehbar, was das System tut |
| 5 | Vielfalt, Fairness, keine Diskriminierung |
| 6 | Gesellschaftliches und ökologisches Wohl |
| 7 | Rechenschaft: Jemand steht gerade. Meist am schwersten. |
Ethik-Leitlinien der HLEG der EU-Kommission, April 2019. Kein Gesetz, aber viele Ideen stecken im AI Act.
Erklärung zur Folie
2019 hat ein Gremium von Fachleuten im Auftrag der EU-Kommission Leitlinien für vertrauenswürdige KI geschrieben. Die Abkürzung ist HLEG, High-Level Expert Group on AI. Der Kern: KI soll rechtmäßig sein, ethisch und robust. Daraus folgen die sieben Anforderungen.
Überleg kurz, bevor du weiterliest: Welche der sieben ist in deinem Betrieb am schwersten einzuhalten? In der Praxis ist es meistens die siebte, die Rechenschaft. Wenn etwas schiefgeht, will keiner zuständig gewesen sein.
Die Leitlinien sind kein Gesetz. Viele Ideen daraus stecken heute aber im AI Act, etwa die menschliche Aufsicht und die Transparenz.
Bias: der systematische Fehler
| Bias-Art | Was passiert | Beispiel |
|---|---|---|
| Datenbias | Die Daten bilden nicht alle ab. | Gesichter mit dunkler Haut kommen im Training kaum vor. |
| Historischer Bias | Alte Ungerechtigkeit steckt in den Daten. | 20 Jahre lang wurden vor allem Männer befördert. |
| Messbias | Das Falsche wird gemessen. | Leistung gleich Stunden im Büro |
| Automation Bias | Wir glauben der Maschine zu schnell. | Ein Vorschlag wird ungeprüft übernommen. |
Merk dir
Ein zufälliger Fehler trifft mal den, mal die. Bias trifft immer dieselben.
Erklärung zur Folie
Bias heißt Verzerrung, und das wichtige Wort ist systematisch. Stell dir zwei Zielscheiben vor. Auf der ersten liegen die Treffer mal hier, mal da: Das ist ein zufälliger Fehler. Auf der zweiten liegen alle Treffer daneben, aber immer an derselben Stelle: Das ist Bias.
Woher kommt er? Aus fehlenden Daten: Eine Gesichtserkennung, die kaum Gesichter mit dunkler Haut gesehen hat, erkennt sie schlechter. Aus alten Mustern: Hat eine Firma zwanzig Jahre lang vor allem Männer befördert, lernt ein System, dass Männer befördert werden. Aus dem, was gemessen wird: Wer Leistung an Stunden im Büro misst, benachteiligt Teilzeitkräfte. Und aus uns selbst: Gibt eine Maschine eine Zahl aus, glauben wir der Zahl schneller als einer Kollegin. Das heißt Automation Bias.
In Teil 4 ging es darum, ob Daten stimmen. Hier geht es darum, ob sie fair sind. Das ist nicht dasselbe.
Welcher Bias ist das?
| Fall | Lösung |
|---|---|
| Die Spracherkennung versteht Sächsisch schlechter als Hochdeutsch. | Datenbias |
| Ein Modell lernt aus 20 Jahren Beförderungen, wer befördert wird. | historischer Bias |
| Leistung wird an der Zahl verschickter Mails gemessen. | Messbias |
| Die Sachbearbeitung übernimmt den KI-Vorschlag, ohne die Akte zu öffnen. | Automation Bias |
| Der Erfolg einer Ausgleichsfläche wird an gepflanzten Bäumen gemessen, nicht an überlebenden. | Messbias |
| Eine Gebäudeerkennung, trainiert mit Luftbildern aus Städten, übersieht Höfe auf dem Land. | Datenbias |
Erklärung zur Folie
Rate zuerst selbst, dann schau in die rechte Spalte. Sechs Fälle, vier Bias-Arten.
Beim Sächsisch war im Training wenig Dialekt: Datenbias. Bei den Beförderungen werden alte Entscheidungen fortgeschrieben: historischer Bias. Viele Mails heißen nicht gute Arbeit: Messbias. Wer die Akte nicht öffnet, glaubt der Maschine: Automation Bias. Bei der Ausgleichsfläche wird gezählt, was leicht zu zählen ist: wieder Messbias. Und bei der Gebäudeerkennung kam das Land im Training kaum vor: Datenbias.
Du siehst: Bias ist kein Spezialproblem von Tech-Konzernen. Er steckt in jeder Tabelle, die du einer KI gibst.
Fallbeispiel: das Recruiting-Tool von Amazon
- 2014: Ein Team beginnt, Bewerbungen automatisch mit einem bis fünf Sternen zu bewerten.
- Training: Bewerbungen aus rund zehn Jahren, meist von Männern.
- Folge: Steht im Lebenslauf etwa „Kapitänin des Frauen-Schachclubs“, gibt es Abzug. Programmiert hat das niemand.
- 2015: Die Schieflage fällt auf. Nachbessern hilft nicht zuverlässig.
- Anfang 2017: Projekt eingestellt. Bekannt wird es 2018 durch Reuters.
Merk dir
Technik in Ordnung, Daten korrekt, Ergebnis trotzdem diskriminierend.
Quelle: Reuters, Jeffrey Dastin, 10.10.2018.
Erklärung zur Folie
Amazon wollte Bewerbungen automatisch bewerten: fünf Sterne für die besten, einer für die schwächsten. Trainiert wurde mit den Bewerbungen aus rund zehn Jahren. In der Tech-Branche kamen die meisten davon von Männern. Das Modell hat daraus selbst gezogen: männlich ist gut. Das Wort „women’s“, etwa in „women’s chess club captain“, führte zu Abzug.
2015 hat das Team die Schieflage bemerkt und versucht, sie herauszufiltern. Aber niemand konnte sicher sein, dass das System keine anderen Umwege findet. Anfang 2017 wurde das Projekt eingestellt, bekannt wurde es 2018 durch Reuters. Amazon hat erklärt, die Bewertungen seien nie allein ausschlaggebend gewesen.
Die Lehre ist unbequem: Die Technik war in Ordnung, die Daten waren korrekt, und das Ergebnis war trotzdem diskriminierend.
COMPAS und die Frage nach Fairness
| ProPublica zählt die Fehler | Schwarze | Weiße |
|---|---|---|
| fälschlich „hohes Risiko“ (wurden nicht rückfällig) | 44,9 % | 23,5 % |
| fälschlich „niedriges Risiko“ (wurden doch rückfällig) | 28,0 % | 47,7 % |
Der Hersteller zählt die Treffer: Wer „hohes Risiko“ bekam, wurde bei Schwarzen und Weißen etwa gleich oft rückfällig.
Merk dir
Beide rechnen richtig. Welches Fairness-Maß gilt, entscheidet ein Mensch, mit Begründung.
Quelle: ProPublica, „Machine Bias“, 23.05.2016, Fälle aus Broward County, Florida.
Erklärung zur Folie
COMPAS kennst du aus Teil 3. Die Software gibt US-Gerichten eine Einschätzung, wie wahrscheinlich ein Angeklagter wieder straffällig wird. Die Journalisten von ProPublica haben 2016 Tausende Fälle aus Florida ausgewertet. Von den Schwarzen, die später nicht rückfällig wurden, hatte die Software fast 45 % fälschlich als hohes Risiko eingestuft, von den Weißen knapp 24 %. Beim umgekehrten Fehler war es andersherum.
Der Hersteller hat geantwortet: Wer bei uns „hohes Risiko“ bekam, wurde in beiden Fällen etwa gleich oft rückfällig. Unsere Treffsicherheit ist gleich. Und das Verrückte: Beide rechnen richtig. Es gibt verschiedene Definitionen von Fairness, etwa gleiche Trefferquote oder gleiche Fehlerquote. Ist die Ausgangslage unterschiedlich, lassen sich nicht alle gleichzeitig erfüllen.
Fairness ist also keine Einstellung in der Software. Ein Mensch muss entscheiden, welche Art von Fairness gelten soll, und das begründen.
Filterblase und Gefälligkeit
- Filterblase: Eine Plattform lernt aus jedem Klick. Du siehst mehr vom Gleichen und weniger Widerspruch.
- Gefälligkeit (Sycophancy): Sprachmodelle sind darauf trainiert, hilfreich zu wirken. Oft stimmen sie dir deshalb zu.
- Fragst du „Ist meine Idee gut?“, hörst du meistens Ja.
Merk dir
Das Gegenmittel: „Nenn mir die drei stärksten Einwände gegen meine Idee.“
Erklärung zur Folie
Die Filterblase ist ein Bias, den du selbst mit erzeugst. Du schaust ein Video über Laufschuhe, danach siehst du zehn weitere. Harmlos. Bei Nachrichten und Meinungen ist es weniger harmlos: Du siehst immer mehr Bestätigung und immer weniger Widerspruch.
Sprachmodelle haben eine eigene Variante. Sie sind darauf trainiert, hilfreich zu wirken, und das führt oft dazu, dass sie dir zustimmen. Der Fachbegriff ist Sycophancy, auf Deutsch Gefälligkeit.
Zum Ausprobieren, drei Minuten: Frag deinen Chatbot „Ist meine Idee gut?“, mit einer echten Idee von dir, etwa für ein Projekt oder eine Präsentation. Dann frag im selben Verlauf: „Nenn mir die drei stärksten Einwände gegen meine Idee.“ Erst loben lassen, dann die Einwände holen. Der Unterschied ist meist deutlich.
Effizienz gegen Fairness
- Schneller vorsortieren heißt: weniger Einzelfallprüfung.
- Automatisch entscheiden heißt: weniger Einspruch möglich.
- Mehr Daten nutzen heißt: mehr Eingriff ins Privatleben.
- Bauantrag ablehnenMensch entscheidet
- Stellungnahmen vorsortierenMensch prüft
- Termine vorschlagenKI fast allein
- Tippfehler korrigierenKI allein
Merk dir
Je stärker eine Entscheidung ein Leben betrifft, desto mehr Mensch braucht der Ablauf.
Erklärung zur Folie
Warum setzen Unternehmen KI ein? Weil sie schneller und billiger ist. Das ist legitim. Aber jede Beschleunigung hat einen Preis. Sortiert eine KI tausend Anträge vor, schaut kein Mensch mehr jeden einzelnen an. Entscheidet sie automatisch, weiß die betroffene Person oft nicht, dass eine Maschine im Spiel war. Und wer mehr Daten nutzt, greift tiefer ins Privatleben ein.
Stell dir einen Regler vor. Links entscheidet der Mensch, die KI schlägt nur vor. Rechts entscheidet die KI allein. Tippfehler korrigieren darf ganz rechts liegen, Termine vorschlagen fast. Stellungnahmen vorsortieren liegt in der Mitte, da schaut ein Mensch noch drüber. Einen Bauantrag ablehnen gehört ganz nach links.
Deine Aufgabe als KI-Managerin oder KI-Manager ist nicht, KI zu verhindern. Deine Aufgabe ist, den Preis sichtbar zu machen und festzulegen, wo ein Mensch drinbleibt.
Zum Ausprobieren: ein Bias-Test mit dem Chatbot
| Variante | Was sich ändert |
|---|---|
| Lukas Schneider, 34 | Basis |
| Julia Schneider, 34 | Geschlecht |
| Mehmet Yılmaz, 34 | Herkunft |
| Lukas Schneider, 58 | Alter |
Prompt: „Bewerte diese Person für eine Stelle als Teamleitung im Vertrieb auf einer Skala von 1 bis 10 und begründe kurz: [Name, Alter], 8 Jahre Vertrieb, 2 Jahre stellvertretende Teamleitung, Umsatzziel dreimal übertroffen.“
- Jede Variante in einer neuen Unterhaltung, jede zweimal.
- Achte auf die Zahl und auf die Wörter.
Erklärung zur Folie
Gib einem Chatbot viermal dasselbe Profil. Es ändert sich immer nur eine Sache: Geschlecht, Herkunft oder Alter. Öffne für jede Variante eine neue Unterhaltung, sonst weiß das Modell, was es vorher geschrieben hat, und bleibt einfach dabei. Stell jede Variante zweimal, damit du Zufall von Muster trennst.
Achte zuerst auf die Zahl. Dann auf die Wörter: Wird bei einer Person die Führungsstärke gelobt und bei der anderen der Teamgeist? Steht bei der älteren Person „Erfahrung“ und bei der jüngeren „Entwicklungspotenzial“? Ändere nie zwei Dinge auf einmal, sonst weiß niemand, woran es lag.
Gut möglich, dass du keinen Unterschied siehst. Moderne Modelle geben oft identische Werte, Unterschiede zeigen sich eher in der Wortwahl. Die Anbieter testen genau solche Fälle intensiv. Das heißt aber nicht, dass es im eigenen System mit den eigenen Daten genauso ist. Deshalb testet man. Auch kein Unterschied ist ein Ergebnis.
Der EU AI Act: Regeln nach Risiko
| Stufe | Beispiele | Regel |
|---|---|---|
| Verboten | Social Scoring, Emotionserkennung im Job | Art. 5, seit 02.02.2025 verboten |
| Hochrisiko | Bewerbungen filtern, Kredit, Prüfungen | Art. 6 mit Anhang III, viele Pflichten |
| Transparenz | Chatbot, Deepfake, KI-Texte für die Öffentlichkeit | Art. 50, offenlegen |
| Geringes Risiko | Spamfilter, Übersetzung, Vogel-App | die meisten Anwendungen, keine Zusatzpflichten |
Für alle: Wer KI beruflich einsetzt, kümmert sich um KI-Kompetenz (Art. 4). Verordnung (EU) 2024/1689, in Kraft seit 01.08.2024.
Erklärung zur Folie
Der AI Act ist die Verordnung (EU) 2024/1689. Er gilt direkt in allen EU-Staaten. Sein Prinzip: Je höher das Risiko, desto strenger die Regeln. Ganz oben steht, was verboten ist. Darunter Hochrisiko-KI: erlaubt, aber mit vielen Pflichten. Dann Systeme mit Transparenzpflicht, bei denen du offenlegen musst, dass KI im Spiel ist. Und ganz unten der Großteil aller Anwendungen, ohne Zusatzpflichten.
Für alle, die KI beruflich einsetzen, gilt zusätzlich die KI-Kompetenz. Dazu kommt gleich eine eigene Folie.
Der wichtigste Gedanke: Das Gesetz reguliert nicht die Technik, sondern den Einsatzzweck. Dasselbe Sprachmodell kann harmlos sein oder hochriskant, je nachdem, wofür du es benutzt. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Anbieter oder Betreiber?
Anbieter (Art. 3 Nr. 3)
- Entwickelt ein KI-System und bringt es auf den Markt.
- Zum Beispiel Microsoft bei Copilot, OpenAI bei ChatGPT.
- Trägt die schweren Pflichten.
Betreiber (Art. 3 Nr. 4)
- Setzt ein KI-System beruflich ein.
- Zum Beispiel ein Betrieb, der Copilot nutzt.
- Das sind die meisten Unternehmen.
Achtung
Eigener Name drauf, wesentlich umgebaut oder für einen Hochrisiko-Zweck eingesetzt: Dann wirst du selbst Anbieter (Art. 25).
Rein private Nutzung fällt nicht unter den AI Act (Art. 2 Abs. 10).
Erklärung zur Folie
Bevor es um die einzelnen Stufen geht: Wer muss eigentlich was tun? Der AI Act unterscheidet vor allem zwei Rollen. Der Anbieter entwickelt ein KI-System und bringt es auf den Markt. Auf ihm liegen die schweren Pflichten. Der Betreiber setzt ein KI-System beruflich ein. Und dann gibt es noch die Betroffenen: Kundschaft, Beschäftigte, Bürgerinnen und Bürger.
Frag dich: Dein Betrieb nutzt Copilot. Was ist er? Betreiber. Das sind die meisten Unternehmen.
Pass aber auf: Wer ein System unter eigenem Namen anbietet, es wesentlich umbaut oder für einen Hochrisiko-Zweck einsetzt, für den es nicht gedacht war, wird selbst zum Anbieter. Wer aus einem allgemeinen Chatbot ein Werkzeug zum Sortieren von Bewerbungen macht, landet genau hier. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Verboten seit 02.02.2025: Art. 5
| Art. 5 Abs. 1 | Verboten ist KI, die … |
|---|---|
| lit. a | Menschen unterschwellig manipuliert oder täuscht |
| lit. b | Schwächen ausnutzt: Alter, Behinderung, Notlage |
| lit. c | Menschen für Verhalten Punkte gibt (Social Scoring) |
| lit. d | Straftaten nur aus Profiling vorhersagt |
| lit. e | Gesichtsbilder massenhaft aus Netz und Kameras sammelt |
| lit. f | Emotionen am Arbeitsplatz und in Schulen erkennt |
| lit. g | Menschen biometrisch nach Herkunft, Religion, Orientierung sortiert |
| lit. h | Gesichter öffentlich in Echtzeit erkennt, mit engen Ausnahmen |
| lit. ba, bb (ab 02.12.2026) | intime Darstellungen echter Menschen ohne Zustimmung oder Missbrauchsdarstellungen erzeugt |
Erklärung zur Folie
Verstöße gegen Art. 5 kosten bis 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, was höher ist (Art. 99 Abs. 3).
Artikel 5 listet, was in der EU gar nicht geht. Das gilt seit dem 2. Februar 2025. KI, die Menschen unterschwellig manipuliert oder ihre Schwächen ausnutzt. Social Scoring, also Menschen nach ihrem Verhalten mit Punkten bewerten und dann benachteiligen. Gesichtsbilder massenhaft sammeln, um eine Datenbank zu bauen. Und Echtzeit-Gesichtserkennung im öffentlichen Raum durch die Polizei, bis auf wenige, eng geregelte Ausnahmen.
Für deinen Betrieb ist vor allem lit. f wichtig: Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in der Schule, außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen. Ein Tool, das im Videocall misst, ob Beschäftigte motiviert wirken: verboten. Die Strafen sind die höchsten im ganzen Gesetz.
Im Juli 2026 hat die EU mit der Verordnung (EU) 2026/1744 nachgelegt. Ab dem 2. Dezember 2026 ist auch KI verboten, die ohne Zustimmung intime Bilder von echten Menschen erzeugt, und KI für Missbrauchsdarstellungen. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Hochrisiko: Art. 6 und Anhang III
| Nr. | Bereich |
|---|---|
| 1 | Biometrie |
| 2 | Kritische Infrastruktur: Strom, Wasser, Verkehr |
| 3 | Bildung: Zulassung, Prüfungen |
| 4 | Beschäftigung: Bewerbungen filtern, Leistung bewerten |
| 5 | Kredit, Versicherung, Sozialleistungen |
| 6 | Strafverfolgung |
| 7 | Migration, Asyl, Grenze |
| 8 | Justiz und Wahlen |
Erklärung zur Folie
Dazu kommt Anhang I: KI als Sicherheitsbauteil in Produkten wie Maschinen, Spielzeug oder Medizinprodukten. Eine Ausnahme gibt es nach Art. 6 Abs. 3: eine eng begrenzte Vorbereitungsaufgabe ohne erhebliches Risiko. Nie aber bei Profiling von Menschen.
Hochrisiko heißt nicht verboten. Es heißt: erlaubt, aber mit vielen Pflichten. Anhang III nennt acht Bereiche, in denen KI stark in das Leben von Menschen eingreift. Für die meisten Unternehmen am wichtigsten ist Nummer 4, Beschäftigung. Wer eine KI Bewerbungen filtern, Beförderungen vorbereiten oder Leistung bewerten lässt, betreibt Hochrisiko-KI. Das Amazon-Tool wäre heute genau so ein Fall.
Der Anbieter muss Risikomanagement, Dokumentation, Datenqualität und eine Konformitätsbewertung nachweisen (Art. 8 bis 22). Als Betreiber (Art. 26) nutzt du das System nach Anleitung, setzt eine kompetente Person zur Aufsicht ein, bewahrst die Protokolle mindestens sechs Monate auf und informierst die Beschäftigten und ihre Vertretung vorher.
Die Ausnahme greift, wenn die KI nur eine eng begrenzte Vorbereitungsaufgabe erledigt, etwa Dokumente sortieren, und kein erhebliches Risiko besteht. Sie greift nie, wenn Menschen profiliert werden. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Stuf selbst ein
| Fall | Stufe | Grund |
|---|---|---|
| Eine App bestimmt Vögel am Gesang. | gering | keine Zusatzpflichten |
| Ein Chatbot auf der Website einer Gemeinde | Transparenz | sagen, dass es KI ist, Art. 50 Abs. 1 |
| KI sortiert Bewerbungen vor. | Hochrisiko | Anhang III Nr. 4, Beschäftigung |
| Software misst im Videocall, ob Beschäftigte motiviert wirken. | verboten | Emotionserkennung im Job, Art. 5 Abs. 1 lit. f |
| Täuschend echtes KI-Foto: die Bürgermeisterin auf einer Baustelle, die es nie gab | Transparenz | Deepfake offenlegen, Art. 50 Abs. 4 |
| KI überwacht Online-Prüfungen auf Schummeln. | Hochrisiko | Anhang III Nr. 3, Bildung |
Erklärung zur Folie
Deck die Spalten „Stufe“ und „Grund“ ab und stuf jeden Fall selbst ein: verboten, Hochrisiko, Transparenz oder gering. Frag dich bei jeder Antwort: Welcher Artikel?
Die Vogel-App entscheidet über niemanden, also geringes Risiko. Auch eine KI-Karte der Landbedeckung aus Satellitenbildern ist gering, solange sie nicht über Menschen entscheidet. Der Chatbot der Gemeinde muss sagen, dass er eine KI ist. Die Bewerbungsvorsortierung und die Prüfungsaufsicht stehen in Anhang III. Die Motivationsmessung im Videocall ist Emotionserkennung am Arbeitsplatz und damit verboten.
Beim KI-Foto der Bürgermeisterin musst du den Deepfake offenlegen. Ob man so ein Bild überhaupt veröffentlichen sollte, ist eine andere Frage. Ein erfundenes Foto einer echten Person kann zusätzlich deren Persönlichkeitsrecht verletzen, das regelt nicht der AI Act. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Wann gilt was? Stand Oktober 2026
| Seit oder ab | Was gilt |
|---|---|
| 01.08.2024 | AI Act in Kraft |
| 02.02.2025 | Verbote (Art. 5), KI-Kompetenz (Art. 4) |
| 02.08.2025 | Pflichten für große KI-Modelle (GPAI), Behörden, Bußgeldregeln |
| 27.07.2026 | Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 in Kraft |
| 02.08.2026 | Transparenz (Art. 50) und fast alles Übrige |
| 02.12.2026 | neue Verbote lit. ba und bb, Kennzeichnung für Altsysteme |
| 02.12.2027 | Hochrisiko nach Anhang III, zum Beispiel Bewerbungstools |
| 02.08.2028 | Hochrisiko nach Anhang I, Produkte und Maschinen |
Art. 113 Verordnung (EU) 2024/1689, geändert durch die Verordnung (EU) 2026/1744 (Amtsblatt 24.07.2026).
Erklärung zur Folie
Der AI Act gilt nicht auf einen Schlag, er kommt in Stufen. Seit August 2024 ist er in Kraft. Die Verbote und die KI-Kompetenz gelten seit Februar 2025. Seit August 2025 gibt es Pflichten für die Anbieter großer Modelle wie GPT oder Gemini, dazu Behörden und Bußgeldregeln. Seit August 2026 gelten die Transparenzpflichten und fast alles Übrige.
Bei Hochrisiko hat sich im Sommer 2026 etwas getan. Eigentlich hätten die Pflichten für Anhang III ab dem 02.08.2026 greifen sollen, für Anhang I ab dem 02.08.2027. Die EU hat mit dem Digital Omnibus nachgesteuert, einem Paket, das Digitalgesetze vereinfacht. Hochrisiko nach Anhang III gilt jetzt ab dem 2. Dezember 2027, Produkte nach Anhang I ab dem 2. August 2028.
Verschoben heißt nicht gestrichen. Wer heute ein Bewerbungstool einführt, sollte es so auswählen, dass es Ende 2027 die Pflichten erfüllt. Sonst wird es bald wieder ausgetauscht. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Transparenz: Art. 50
| Absatz | Wer | Pflicht |
|---|---|---|
| Abs. 1 | Anbieter | Menschen merken, dass sie mit einer KI sprechen, außer es ist offensichtlich. |
| Abs. 2 | Anbieter | KI-Bilder, -Videos, -Töne und -Texte maschinenlesbar kennzeichnen, etwa als Wasserzeichen in der Datei. |
| Abs. 3 | Betreiber | Wo Emotionserkennung oder biometrische Kategorisierung erlaubt ist, erfahren es die Betroffenen. |
| Abs. 4 | Betreiber | Deepfakes offenlegen. KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse auch. |
Merk dir
Ausnahme bei Texten: Ein Mensch hat geprüft und trägt die redaktionelle Verantwortung.
Gilt seit 02.08.2026. Altsysteme: maschinenlesbare Kennzeichnung bis 02.12.2026.
Erklärung zur Folie
Artikel 50 betrifft fast jedes Unternehmen, und er gilt seit August 2026. Stellt dein Unternehmen einen Chatbot auf die Website, müssen die Leute merken, dass sie mit einer Maschine schreiben, außer es ist ohnehin offensichtlich. Anbieter von Bild-, Video- und Textgeneratoren müssen die Ergebnisse maschinenlesbar kennzeichnen. Systeme, die schon vor dem 02.08.2026 auf dem Markt waren, haben dafür bis zum 02.12.2026 Zeit.
Absatz 4 betrifft dich als Betreiber direkt. Du musst Deepfakes offenlegen, also Bilder, Videos oder Tonaufnahmen, die echt wirken, aber erzeugt sind. Bei Kunst, Satire und Fiktion reicht ein passender Hinweis. Veröffentlichst du KI-Texte, die die Öffentlichkeit über wichtige Themen informieren sollen, gilt dasselbe.
Außer bei Texten, die ein Mensch geprüft hat und für die jemand die redaktionelle Verantwortung übernimmt. Die Pressemitteilung, die du mit KI entworfen und selbst verantwortet hast, braucht also keinen KI-Stempel. Einordnung, keine Rechtsberatung.
KI-Kompetenz: Art. 4 gilt für alle
| Stufe | Wer | Was sie können |
|---|---|---|
| 1 | Alle, die KI nutzen | Grundlagen, Grenzen, was nicht in den Chatbot gehört |
| 2 | Fachleute | Prompten, prüfen, kennzeichnen |
| 3 | Verantwortliche | Einstufen, Aufsicht, Dokumentation |
Neu gefasst seit 27.07.2026: Anbieter und Betreiber „ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals“ zu unterstützen. Ein bestimmtes Niveau muss niemand garantieren. Kein Zertifikat vorgeschrieben.
Merk dir
Halte fest, wer wann was gelernt hat: Rolle, Schulung, Datum.
Erklärung zur Folie
Dieser Artikel betrifft dich persönlich. Jedes Unternehmen, das KI anbietet oder beruflich einsetzt, muss sich darum kümmern, dass seine Leute ausreichend Bescheid wissen. Das gilt für den Konzern genauso wie für die Arztpraxis mit ChatGPT-Zugang. Wie viel Wissen nötig ist, hängt von der Rolle ab: Wer nur Texte zusammenfassen lässt, braucht Grundlagen. Wer Inhalte veröffentlicht, muss prüfen und kennzeichnen können. Wer ein Bewerbungstool betreut, muss einstufen und beaufsichtigen können.
Ein Zertifikat schreibt das Gesetz nicht vor. Aber halte fest, wer wann was gelernt hat, etwa in einer Tabelle mit Rolle, Schulung und Datum: Sachbearbeitung, KI-Grundlagen, 10/2026. Das ist ein typischer Job für eine KI-Managerin oder einen KI-Manager, und dieser Kurs gehört auch in so eine Tabelle.
Im Juli 2026 wurde der Artikel weicher gefasst. Vorher hieß es „nach besten Kräften sicherzustellen“, jetzt müssen Betriebe Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz zu unterstützen. An der Sache ändert das wenig. Wer seine Leute unvorbereitet auf KI loslässt, hat ein Problem, sobald etwas schiefgeht. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Urheberrecht: Wem gehört das?
| Fall | Lösung | Warum |
|---|---|---|
| Ein Bild aus einem Satz Prompt, sonst nichts | in der Regel frei | Kein Mensch hat es gestaltet. Andere dürfen es meist auch nutzen. |
| Dein eigenes Foto, die KI entfernt nur ein Stromkabel | bleibt deins | Das Foto ist dein Werk. Die Retusche ändert daran nichts. |
| Ein KI-Entwurf, den du Satz für Satz umschreibst und ergänzt | Einzelfall | Je mehr eigene Gestaltung, desto eher geschützt. |
| Der Chatbot liefert einen bekannten Liedtext fast wörtlich, du druckst ihn in einen Flyer. | fremdes Werk | Ohne Lizenz verletzt du Rechte, egal, wer getippt hat. |
Merk dir
Urheber ist immer ein Mensch: persönliche geistige Schöpfung (§ 2 Abs. 2 UrhG).
Erklärung zur Folie
Rate zuerst selbst, dann schau in die Spalten „Lösung“ und „Warum“. Die Grundregel: Urheber kann nach deutschem Recht nur ein Mensch sein. Das Gesetz spricht von einer persönlichen geistigen Schöpfung. Ein Bild, das du mit einem Satz erzeugt hast, ist deshalb in der Regel nicht geschützt. Das heißt auch: Andere dürfen es meist ebenfalls nutzen. Wer ein Logo nur per Prompt erzeugt, kann es schlecht schützen.
Bearbeitest du etwas stark selbst, kann das anders aussehen. Das ist Einzelfall. Und dein eigenes Foto bleibt dein Werk, auch wenn eine KI ein Stromkabel wegretuschiert.
Der vierte Fall ist der gefährlichste. Gibt ein Chatbot ein fremdes Werk fast wörtlich wieder und du veröffentlichst es, verletzt du Rechte. Mischwerke und Veröffentlichungen im Zweifel anwaltlich prüfen lassen. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Training mit fremden Werken: was Gerichte sagen
| Datum, Gericht | Fall | Ergebnis |
|---|---|---|
| 27.09.2024, LG Hamburg | Kneschke gegen LAION | Foto im Trainingsdatensatz erlaubt, weil Forschung (§ 60d UrhG) |
| 11.11.2025, LG München I | GEMA gegen OpenAI | Liedtexte im Modell gespeichert und fast wörtlich ausgegeben: Verletzung |
| 10.12.2025, OLG Hamburg | LAION, zweite Instanz | bestätigt. Vorbehalt muss maschinenlesbar sein. Revision zugelassen |
| 31.07.2026, LG München I | GEMA gegen Suno | Songs in den Modellparametern sind Vervielfältigung. Nicht rechtskräftig |
Text- und Data-Mining ist erlaubt (§ 44b UrhG). Rechteinhaber können widersprechen, aber nur maschinenlesbar, etwa in der robots..
Erklärung zur Folie
Die zweite Frage beim Urheberrecht: Darf eine KI mit fremden Werken trainiert werden? Das Gesetz erlaubt Text- und Data-Mining, also das automatische Auswerten von Werken. Rechteinhaber können widersprechen, aber maschinenlesbar, damit ein Programm es erkennt. Zum Beispiel mit einem Eintrag in der Datei robots., der den Crawler von OpenAI namens GPTBot aussperrt. Für die Forschung gibt es eine weitere Ausnahme (§ 60d UrhG), die sich nicht abwählen lässt.
Der Fotograf Robert Kneschke hat den Verein LAION verklagt, weil sein Foto in einem riesigen Bild-Text-Datensatz landete. Das Landgericht Hamburg sagte 2024: Forschung, erlaubt. Das Oberlandesgericht Hamburg hat das im Dezember 2025 bestätigt und klargestellt, dass ein Vorbehalt in normaler Sprache auf einer Website nicht reicht. Der Fall kann noch zum Bundesgerichtshof. In München entschied das Landgericht im November 2025, dass ChatGPT Liedtexte so gespeichert hatte, dass es sie fast wörtlich wiedergeben konnte. Das ist Vervielfältigung. Ende Juli 2026 folgte GEMA gegen Suno: Schon das Speichern der Songs im Modell ist Vervielfältigung, ohne Lizenz kein Training.
Die Klagen richteten sich gegen die Anbieter. Wer aber KI-Output veröffentlicht, der fremde Werke wiedergibt, kann selbst Ärger bekommen. Prüf, bevor du veröffentlichst. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Fall: ein KI-Paket für das Bauamt Musterstadt
| Funktion | Was sie tut | Stufe | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| A · Chatbot | beantwortet auf der Website Fragen zu Bauanträgen | Transparenz, Art. 50 Abs. 1 | ja, mit Hinweis, dass eine KI antwortet |
| B · Antragsprüfung | prüft Bauanträge auf Vollständigkeit, schlägt bei Lücken Ablehnung vor | kein Hochrisiko: Bauanträge stehen nicht in Anhang III | ja, mit Auflagen: Ablehnen entscheidet ein Mensch |
| C · Kamera am Schalter | erkennt, ob Beschäftigte gestresst oder unfreundlich wirken | verboten, Art. 5 Abs. 1 lit. f | nein, streichen |
Merk dir
Legal heißt nicht automatisch richtig.
Erklärung zur Folie
Ein erfundener Fall. Du bist die KI-Managerin oder der KI-Manager einer Stadt und schreibst eine Entscheidungsvorlage. Deck zuerst die Spalten „Stufe“ und „Empfehlung“ ab. Hör dir beide Seiten an: Die Amtsleitung hat 30 Prozent mehr Anträge als vor drei Jahren, zwei offene Stellen und elf Wochen Bearbeitungszeit. Jeder dritte Antrag ist unvollständig. Die Kamera nennt sie Gesundheitsschutz. Personalrat und Datenschutz sagen: Eine Ablehnung ist ein Verwaltungsakt, den keine Maschine vorschlagen darf, die dann nur abgenickt wird. Und eine Kamera, die die Stimmung der Beschäftigten misst, ist Überwachung.
Schreib für jede Funktion auf: Stufe und Artikel, wo der Mensch bleibt, und ja, nein oder mit Auflagen. Dann vergleich mit der Tabelle. Bei B nach dieser Lesart: Die KI schlägt keine Ablehnung vor, sie listet nur fehlende Unterlagen auf. Jede Ablehnung prüft und unterschreibt eine Fachkraft. Vor dem Start ein Test mit 100 alten Anträgen: Wie oft liegt die KI falsch, und trifft es bestimmte Antragsarten häufiger? Die Beschäftigten werden geschult und der Personalrat vorher beteiligt.
C ist verboten, egal wie gut die Absicht ist. „Gesundheitsschutz“ als allgemeines Ziel reicht nicht für die Ausnahme. Wer Überlastung messen will, nimmt Fallzahlen und Wartezeiten statt Gesichter. Und B ist nach dem AI Act kaum reguliert: Dass ein Mensch ablehnt, folgt aus Fairness und aus dem Verwaltungsrecht. Einordnung, keine Rechtsberatung.
Dein Auftrag: Einstufen, testen, Risiken finden
- Stuf drei KI-Anwendungen ein, eine aus deinem Arbeitsumfeld. Je Fall: Stufe, Artikel, ein Satz Begründung, Anbieter oder Betreiber.
- Lass eine KI dieselben Fälle einstufen. Kennt sie die Frist 02.12.2027 für Anhang III?
- Mach den Bias-Test mit einem erfundenen Profil aus deiner Branche: ein Merkmal ändern, jede Variante zweimal.
- Schreib Kapitel 5 in dein Kursbuch, mit den zwölf Glossarbegriffen aus der Erklärung.
- Prüf ein eigenes Projekt: Welche Stufe, welcher Bias, welche Transparenzpflicht, welches Urheberrecht?
Achtung
Nur erfundene oder anonymisierte Daten. Keine echten Bewerbungen, keine echten Namen aus deinem Betrieb.
Erklärung zur Folie
Für Aufgabe 1 kannst du aus diesen Fällen wählen: ein Chatbot für Kundenfragen, ein Tool, das Bewerbungen vorsortiert, Software, die im Videocall Konzentration misst, Copilot fasst Besprechungsnotizen zusammen, ein realistisches KI-Foto einer echten Politikerin für einen Werbepost, eine App, die Pflanzen oder Vögel bestimmt, oder eine KI-Karte der Landbedeckung. Lies Art. 5, Art. 6 mit Anhang III und Art. 50 nach, gut lesbar auf artificialintelligenceact.. Nicht jede Website zeigt die Änderungen vom Juli 2026 schon.
Für den Bias-Test ein Beispielprofil: „Projektleitung Umweltplanung, 36 Jahre, 9 Jahre Berufserfahrung, 12 Umweltberichte verantwortet, ein Förderprojekt eingeworben.“ Ändere Name, Geschlecht, Alter oder Wohnort, jeweils in einer neuen Unterhaltung. Halte fest: Gibt es einen Unterschied, ist er stabil, und welche Stufe hätte so ein Tool bei Bewerbungen?
Die zwölf Begriffe fürs Kursbuch: Bias, Automation Bias, Filterblase, Sycophancy, Social Scoring, Hochrisiko-KI, Anbieter, Betreiber, Deepfake, KI-Kompetenz, Text- und Data-Mining, Digital Omnibus. Vergleich deine Erklärungen mit dem Glossar. Und wenn du noch Zeit hast: Frag deinen Chatbot nach den drei stärksten Einwänden gegen dein Projekt und notier, welche du ernst nimmst.
Prüf dich selbst
Ein Fehler trifft immer dieselben. Wie heißt das?
Antwort
Bias, ein systematischer Fehler.
Welcher Artikel der Grundrechtecharta verbietet Diskriminierung?
Antwort
Artikel 21.
Dein Betrieb nutzt Copilot. Anbieter oder Betreiber?
Antwort
Betreiber.
Stimmung im Teamcall per KI messen: Welche Stufe?
Antwort
Verboten, Emotionserkennung am Arbeitsplatz nach Art. 5 Abs. 1 lit. f.
KI sortiert Bewerbungen vor. Welche Stufe, und ab wann gelten die vollen Pflichten?
Antwort
Hochrisiko nach Anhang III Nr. 4, volle Pflichten ab 02.12.2027.
Wer ist Urheber eines Bildes aus einem Satz Prompt?
Antwort
In der Regel niemand. Urheber kann nur ein Mensch sein.
Erklärung zur Folie
Beantworte die Fragen zuerst ohne nachzuschauen, dann klapp die Antworten auf. Wenn du unsicher warst, geh zur passenden Folie zurück.
Fünf Gedanken nimmst du aus diesem Teil mit. Bias ist systematisch, und auch korrekte Daten können unfair sein. Welche Fairness gilt, entscheidet ein Mensch, mit Begründung. Der Zweck bestimmt das Risiko, nicht die Technik. Auch Betreiber haben Pflichten: Kompetenz, Transparenz, Aufsicht. Und Urheber ist immer ein Mensch, also prüf, bevor du veröffentlichst.
In Teil 6 geht es um Datenschutz und Sicherheit: was mit deinen Daten passiert, wenn du sie in einen Chatbot tippst.
Weiter im Kurs
- LernpfadLerntage zum Nachklicken5 · Ethik, Bias und Verantwortung
- GlossarKI-Glossar mit 93 Begriffen
- Nächster TeilTeil 6: Datenschutz und Sicherheit
ErikDir reicht Selbstlernen nicht? Dann lernst du das mit mir 1:1. Auf Wunsch bringe ich es auch Unternehmerinnen, Unternehmern und ganzen Teams bei. Schreib mir, was du brauchst.
Erstgespräch anfragen